VIKO SOLA 2019 zum 43. Mal im WALLIS

Rittinen, 08. August 2019 von H.-Ueli Gubser

Das diesjährige Sommerlager der Akademischen VINZENZKONFERENZ Basel,
kurz VIKO SOLA 19 genannt, findet zum 43. Mal im Wallis statt. Vom Montag, 29. Juli. bis zum Samstag, 10. August, gastieren Kinder zwischen 4 und 15 Jahren sowie Leiterinnen und Leiter wieder einmal in Rittinen bei Grächen. Auf dem Programm stehen zahlreiche Spaziergänge und Wanderungen, Spiele, Basteln. Höhepunkte bilden die zweitägige Wanderung der Grösseren auf die Europahütte, das Baden im Schwimmbad Visp sowie die olympischen Spiele.

Die Akademische Vinzenzkonferenz, die seit über  85 Jahren tätig ist, ist eine Gruppe innerhalb der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft, der ältesten karitativen Organisation der Schweiz, die seit über 150 Jahren besteht.

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Die 20 Kinder verbringen zusammen mit den zehn Leiterinnen und Leitern zwei traumhafte Ferienwochen im pittoresken Wallis. Geleitet wird das Lager von der Präsidentin Sylvia Bach Gyalog, dem Vizepräsidenten Tibor Gyalog und H.-Ueli Gubser, dem Ehrenpräsidenten der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft.

1962 wurde das erste VIKO SOLA im Wallis in Saas-Balen durchgeführt.

Aktuelles im August 2019

Das Wohl der Schwachen ist Stärke

Am 1. August wird wieder die Schweiz mit Fahnen, patriotischen Reden, Lampionen und Feuern, vielleicht auch Feuerwerk gefeiert. Es ist gut, sich dabei die Schweizer Verfassung zu vergegenwärtigen. Dort heisst es in der Präambel: «...und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen». Oder Artikel 12, Recht auf Hilfe in Notlagen: «Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind».

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Die Definition von menschenwürdig ist in der Schweiz in den letzten Jahren ins Rutschen geraten. Die IV und die Sozialhilfe stehen massiv unter Druck. Das Recht auf menschenwürdige Hilfe wird immer mehr in Frage gestellt.

Gut zwei Monate nach dem 1. August  wird das Schweizer Parlament neu gewählt. Darum ist es gut, sich gerade am Nationalfeiertag Gedanken zu machen: Welche Parteien, welche Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollen wir wählen? Dies durchaus mit dem Blick auf die Werte der Vinzenzkonferenzen.

Gegen Ausbeutung

1833 gründete Frédéric Ozanam mit anderen Studenten bei Paris die erste Vinzenzgemeinschaft. Anlass war die grosse Armut der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Stadt. Ozanam wies entschieden auf die Verantwortung der Christen und Christinnen für die Schwachen dieser Welt hin.

So interpretierte er die Nächstenliebe angesichts dieser Situation auch auf sozialer und politischer Ebene: «Die Frage, die die Menschen in unserer Zeit teilt», sagte er, «ist keine Frage der politischen Formen, sondern eine soziale Frage: Es geht darum, ob der Geist des Egoismus oder der Geist der Aufopferung den Sieg davontragen wird, ob die Gesellschaft nur eine riesige Ausbeutung zugunsten der Stärksten oder die Aufopferung eines jeden im Dienste von allen sein wird».

Das passt sehr gut, zu der Einleitung der Schweizer Verfassung, dass die Stärke des Volkes sich am Wohl der Schwachen misst. Schauen Sie vor der Wahl, welche Werte jemand vertritt, der Sie im Parlament vertreten will. Ist ihr oder ihm der Einsatz für die Schwachen wichtig – oder nur die Steuerminimierung bei hohen Einkommen und die Kürzungen im sozialen Bereich? Wie steht es mit der Menschenwürde der Schwachen- und der Stärke des Volkes?

St. Gallen, Ende Juli 2019 von Christiane Faschon

Aktuelles im Juli 2019

Verträglich Reisen

Was darf’s denn sein – das Meer oder eine Städtereise, Sport oder Kultur? Kataloge locken mit tollen Fotos
Dabei bleibt die Frage oft auf der Strecke: Wie sorgen Sie dafür, dass die Natur und die Menschen vor Ort nicht zu Schaden kommen? Wie lernen Sie die Kultur vor Ort kennen, ohne die Menschen zu kränken?

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Überlegt buchen

Beim Transportmittel fängt es an – Flugzeuge haben ihren (Umwelt)Preis. Doch es geht weiter beim Hotel, den Aktivitäten, der Dusche und dem Essen. Hier gilt es, die Augen offen zu halten für faire Angebote.

Folgende Punkte sind dabei wichtig:
Bei Schnäppchen-Preisen bleibt meist kein Geld mehr für Umweltschutz und faire Löhne für die Angestellten übrig. Billigstangebote sind kaum mit Nachhaltigkeit im Tourismus vereinbar. Vergleichen Sie also bewusst.

 Der Gast erhält bei einem guten Angebot Informationen:
- zum «Code» zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. Diesen hat das Unternehmen unterzeichnet
- über spezielle Massnahmen gegen Diskriminierung im Unternehmen
- zur Respektierung der Menschenrechte vor Ort
- wie er/sie sich mit den Einheimischen respektvoll austauschen kann

Weiter arbeitet der gebuchte Betrieb nachhaltig und hat vor Ort einen guten Ruf. Er bezahlt faire Löhne. Bei Unstimmigkeiten können Gewerkschaften beigezogen werden. Gute Unternehmen beziehen ihre Lebensmittel, Dienstleistungen, Souvenirs und Baumaterialien vor Ort. Sie weisen auf ihre Vernetzung hin.

Wählen Sie Angebote mit Klimaschutz wie alternativer Energiegewinnung und massvollem Wasserverbrauch: Gibt es wenig Süsswasser, bietet das Hotel keinen Golfplatz oder Süsswasserpool an. Duschen und WCs sind entsprechend eingerichtet, Abwasser wird nicht in Gewässer entsorgt. Das Abfallproblem ist auf eine gute Art gelöst. Die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren wird durch die Zusammenarbeit mit den Einheimischen gepflegt.

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Fragen verändern

Bei einem guten Angebot eines Reiseveranstalters wird in der Werbung auf Sozial- und Umweltthemen hingewiesen. Fragen Sie bei Reisebüros nach, wenn Sie im Angebot keine klaren Angaben finden. Informieren Sie sich vor Ort. Informieren Sie nach der Reise die Veranstalter, ob die Angaben der Realität entsprochen haben.

Ihr Besuch sollte positiv und keine Heimsuchung für die Einheimischen sein!

Wie nachhaltig ist Ihre Reisevorbereitung? Machen Sie hier den Reisecheck
https://www.fairunterwegs.org/reisecheck/

 

St. Gallen, Ende Juni 2019 von Christiane Faschon

Aktuelles im Juni 2019

Genf: Rechte für behinderte Menschen

Vom 11. März bis 5 April hat in Genf die 21. Session für die Rechte behinderter Menschen stattgefunden. Sœur Monique FdlC und Marie-Françoise Salesiani-Payet SSVP vertreten seit Jahren die französischen Vinzenzkonferenzen bei diesen Sitzungen der UNO.

Des artistes trisomiques devant l’immeuble des Nations Unies à Genève, le 21 mars 2019.

Des artistes trisomiques devant l’immeuble
des Nations Unies à Genève, le 21 mars 2019.

Am 21. März – das Datum verweist auf Trisomie 21 - traten dann Gruppen von Kindern und Jugendlichen mit Einschränkungen unter den Fahnen des Palais des Nations auf. Sie sprühten vor Lebensfreude und einige junge Musiker und Musikerinnen spielten spontan auf. 

Es ging dabei darum zu zeigen, dass sich der Blick auf diese Menschen ändern muss! Heute werden immer mehr vorgeburtliche Tests angeboten; dies führt dazu, dass Kinder mit Trisomie 21 oft gar nicht mehr geboren werden. Ja, sie haben ein Chromosom mehr – ein Chromosom der Liebe. Was zudem gern vergessen wird: Es gibt eine grosse Bandbreite an Lebensmöglichkeiten für sie.

Tirol: Studentenverbindungen helfen

Die Vinzenzgemeinschaften der Leopoldina und der Raeto Bavaria arbeiten im Tirol.

Die Vinzenzgemeinschaft der Raeto Bavaria

Die Vinzenzgemeinschaft der Raeto Bavaria

Der Sitz der Studenten-Verbindungen und auch deren Engagement-Mittelpunkt ist Innsbruck. So werden Ausflüge mit alten Menschen ins Ober- oder Unterland veranstaltet. Dazu kommen Weihnachtsaktionen etwa für hilfsbedürftige Menschen in der Teestube Innsbruck etc.

Diese Vinzenzgemeinschaften sprechen Studenten und ältere Mitglieder der Verbindungen an. Die Akteure sollen ein «Soziales Gefühl» für die schwachen und hilfsbedürftigen Menschen bekommen. Dies ist eine Lebensschule, ein Augenöffner, wie er der Intention Vinzenz von Paul’ entspricht. In den Verbindungen sind die Männer unter sich. Doch bei der Mitarbeit sind Frauen durchaus erwünscht.

Frankreich: Theaterbesuch für Menschen am Rand

Die Vinzenzkonferenz von Saint Avé F ermöglichte mehr als 70 einsamen, kranken und behinderten Menschen einen Theaterbesuch. Freiwillige führten dabei das Stück «Die Passion Christi» auf. Ihre schauspielerische Leistung, aber auch die Kostüme und das Bühnenbild wurden sehr gerühmt.

Cécile beschreibt es so: Es war ein wunderbares Stück. Die Schauspieler und Schauspielerinnen boten ein ausserordentliches Spiel dar, und das drei Stunden lang. Man war von Anfang bis Ende mit dabei. Viele hatten sogar Tränen in den Augen und haben geweint, so ergreifend war es.

Die Aufführung war ein grosses Ereignis für die Freiwilligen und für die begleitenden Freunde und Freundinnen der Menschen am Rande der Gesellschaft.

 
St. Gallen, Ende Mai 2019 von Christiane Faschon

Aktuelles im Mai 2019

Handfeste Nächstenliebe

Vinzenz, 1581 in Frankreich geboren, stammte aus einer armen Bauernfamilie. Sein Ziel war eigentlich eine Karriere mit einem entsprechenden Einkommen. Er wurde Priester und das mit 19 Jahren! Doch dann änderte sich sein Leben. Zuerst geriet er für zwei Jahre in die Gefangenschaft von Seeräubern. Nach seiner Flucht legte ein Bauer bei ihm die Lebensbeichte ab. Vinzenz war erschüttert über die seelische und geistliche Verarmung der Land-Bevölkerung.

 Um Abhilfe zu schaffen gründete Vinzenz 1625 die Congregatio Missionis (Lazaristen). Der Orden engagierte sich in der Seelsorge auf dem Land. Danach kam die Priesterausbildung dazu. Weiter dehnte man die Arbeit auf die Galeerensträflinge und andere Gefangene aus. Dabei stand neben der Seelsorge auch die Erleichterung der Haftbedingungen. Vinzenz besuchte viele Gefangene persönlich!

 1617 weihte Vinzenz sein ganzes Leben den Armen mit dem Motto Lieben wir Gott - aber auf Kosten unserer Arme und im Schweisse unseres Angesichts. Mitgefühl und Erbarmen waren für ihn das innerste Geheimnis Gottes; und diese wollte er wirksam werden lassen.

Nächstenliebe mit Kompetenz

Vinzenz gründete viele soziale Einrichtungen, etwa zusammen mit der Witwe Louise de Marillac die Töchter der christlichen Liebe (Vinzentinerinnen). Diese waren etwas Neues: Die Frauen gingen in einer einfachen Landfrauentracht von Haus zu Haus und pflegten kranke und alte Menschen. Ausserdem stiftete er Einrichtungen für Waisenkinder, stand Flüchtlingen und Verwundeten bei. Immer ging es auch um kompetente organisierte Hilfe!

 Als Vinzenz am 27. September 1660 mit 79 Jahren starb, hatte er ein fast übermenschliches Lebenswerk vollbracht. Hunderttausenden von Menschen war er beigestanden, viele verdankten ihm ihr Leben.

Er wurde 1729 selig und 1737 heiliggesprochen Papst Leo XIII. erhob ihn 1855 zum Patron der Nächstenliebe und Schutzpatron aller caritativen Vereine. Sein Grab befindet sich in der Kapelle des Mutterhauses der Vinzentiner in der Rue de Sérves in Paris.

Vinzenz von Paul und Frédéric Ozanam (by cmglobal.org)

Vinzenz von Paul und Frédéric Ozanam (by cmglobal.org)

Frédéric Ozanam wählte Vinzenz von Paul zum Patron für sein Werk der Nächstenliebe; die Zusammenkünfte der Studenten, bei denen die Hilfe für die Armen geplant wurde, gab er den Namen Vinzenzkonferenz.

 Die Ausstrahlung von Vinzenz von Paul hält bis heute an. Die verschiedenen Zweige des Werks wie Priester, Brüder, Schwestern und Laien arbeiten bis heute nach seinem Vorbild für und mit den Armen.

  

St. Gallen, Ende April 2019 von Christiane Faschon